HASCHEEKNÖDEL UND EIN SHITSTORM

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Die ersten Hascheeknödel für die jungen Damen riefen einen Sturm der Entrüstung und sogar Beschimpfungen hervor.
Wobei “ihr könnt ja nicht kochen” und “die von der Oma schmecken ganz anders” noch die harmlosesten Vorwürfe waren. Und … sie hatten ja nicht ganz unrecht – irgendwie schmeckten sie anders, einfach nicht so, wie sie hätten schmecken sollen.

Schuld ist unser Plachutta-Kochbuch. Eine der Bibeln im Haushalt, wenn es um österreichische Küche geht (neben dem Maier-Bruck und dem Ruhm-Kochbuch). Das Buch sieht dementsprechend mitgenommen aus und hat sich noch bei jedem Rezept bewährt (Mit den Rindsrouladen aus diesem Buch hat beispielsweise der Mitkoch seine Schwiegermutter eingekocht).
Und in diesem Kochbuch steht zum Thema Hascheeknödel: gekochtes Rindfleisch, faschiert. Das ergab mit den anderen Zutaten eine bräunliche, vielleicht ein bisschen zu trockene, aber keineswegs unangenehm schmeckende Füllung. Aber bräunlich eben. Die jungen Damen: “Die Füllung muss rosa sein, und sie schmeckt auch so komisch …”

Dabei wollten wir nur perfekt sein. Wir wussten wohl, dass in den
Hascheeknödeln unserer Kindheit sicher kein gekochtes Rindfleisch,
sondern Wurstresterl und Geselchtes waren. Aber wenn’s der Plachutta
sagt, dann kann es doch eigentlich nur eine Verbesserung sein …

Na ja, die ersten Hascheeknödel waren also kein voller Erfolg. Recherchen in unseren Familien ergaben: unbedingt Geselchtes, eventuell Wurstresterl.
Vielleicht macht man Hascheeknödel in Wien mit gekochtem Rindfleisch, hier bei uns muss es Geselchtes sein. Also kauften wir welches, kochten es und faschierten es mit etwas Schinken vom Vortag – ein voller Erfolg. Der Erdäpfelteig für die Knödel war trotzdem vom Plachutta, genauso wie das Sauerkraut.

Hascheeknödel mit Sauerkraut
für 4 Personen

Füllung:
 500 g gekochtes Geselchtes und Schinkenresterl, fein faschiert
1 mittelgroße Zwiebel, fein gehackt
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
Butterschmalz
2 Eier
Petersilie gehackt
Majoran gehackt
Salz, Pfeffer

Teig:
750 g am Vortag gekochte, mehlige Erdäpfel
300 g griffiges Weizenmehl, Typ 480
75 g Weizengrieß
4 Eier
Salz, Pfeffer

Sauerkraut:
500 g Sauerkraut (Küchenschabe: Bio-Kistl)
2 EL Schweineschmalz
50 g Bauchspeck in Würferl geschnitten
4 Wacholderbeeren
einige Pfefferkörner
1 Lorbeerblatt
Salz
2 große Schöpfer geselchte Suppe

Die Zwiebel und den Knoblauch in Butterschmalz glasig dünsten. Mit dem Faschierten, den Kräutern, Salz, Pfeffer und den Eiern mischen. Eine halbe Stunde rasten lassen. Daraus 16 kleine Bällchen formen.
Die Erdäpfel passieren und mit den restlichen Zutaten mischen. Eine halbe Stunde rasten lassen.
In 16 Teile teilen. Auf einer bemehlten Arbeitsfläche runde Fladen formen und in jede Flade ein Fleischbällchen legen. Gut verschließen und schöne runde Knödel machen. In Salzwasser sechs Minuten leicht köcheln, weiter sechs Minuten darin ziehen lassen.

Das Sauerkraut in kaltem Wasser spülen, etwas abtropfen lassen. Bauchspeck in Schweineschmalz goldbraun rösten. Mit Suppe aufgießen, Sauerkraut und Gewürze zugeben und eine dreiviertel Stunde auf kleiner Flamme köcheln. Abschmecken.

Diesmal war alles richtig. Die jungen Damen sprachen ein Lob aus “schmeckt fast wie bei der Oma”, der gute Ruf unserer Küche war somit wiederhergestellt.

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