QUITTE WÄRE BESSER

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Besser als Mispel. Aber das wusste ich vor zwanzig Jahren noch nicht. Damals war ich begeistert von seltenen Zierpflanzen und alten Obstsorten. Jedenfalls hatte ich mir eine Mispel (Mespilus germanica) in den Kopf
gesetzt. “Alte Kultursorte, fast vergessen”, das genügte schon für mich. Und ich habe sie, quasi als Hausbaum,
direkt neben den Eingang gepflanzt.

Seitdem ist der
Herbst bei uns eine gefährliche Jahreszeit. Täglich (und nächtlich)
fallen die reifen Früchte runter und verwandeln den morgendlichen Weg zur Arbeit in eine Rutschpartie. Das Schlimmste an der Sache ist, dass ich
die Früchte gar nicht mag. Ich habe jede Menge Rezepte und
Zubereitungsarten probiert und jetzt muss ich es mir selbst endlich eingestehen: Ich mag sie
nicht. Weder als Gelee oder Marmelade noch im Kuchen. Ich mag nicht mal den Geruch der gekochen Früchte (sieht nicht gut aus für den Baum …).

Hätte ich doch eine Quitte gepflanzt. Denn die mag ich, nein
ich liebe sie. Allein schon der Duft, den die reifen Früchte verströmen.
Und das Quittengelee. Oder Quittensirup. Und das Quittenbrot, in
Spanien Membrillo genannt. Wunderbar zu Käse, oder als Konfekt in
kleine Stückchen geschnitten, vielleicht mit Schokolade überzogen.
Dieses Jahr gibts Quittengelee und Membrillo. Membrillo auch deshalb, weil
man ihn aus den Resten des Quittengelees herstellt.

Quittengelee

reife Quitten (ich hab etwa 3 Kilo genommen)
Zitronensaft
Zucker (kein Gelierzucker!)

Die
Quitten gründlich abrubbeln, um den sympathischen, weichen Flaum von
ihrer Oberfläche zu entfernen. Vierteln und das Kerngehäuse gründlich
entfernen. Schälen ist unnötig. Die Quitten in einen Topf geben, mit
Wasser bedecken und mindestens zwei Stunden kochen. Im Topf abkühlen
lassen. Ein Sieb mit einem Mulltuch auslegen und alles hineinleeren.
Zugedeckt über Nacht abtropfen lassen, aber nicht nachhelfen, sonst wird
das Gelee trüb.

Am nächsten Tag den abgetropften Saft mit Zucker und
Zitronensaft versetzen (Pro Liter Saft nehme ich 800 Gramm Zucker und
den Saft einer Zitrone). Diese Mischung aufkochen und köcheln, bis sie
geliert (Gelierprobe: ein Tropfen Saft auf einen kalten Teller getropft,
sollte sofort gelieren). Das kann schon eine halbe Stunde oder länger
dauern. In Gläser füllen, verschließen – Gläser für zehn Minuten auf den
Kopf stellen, wieder umdrehen, fertig.

Quittenbrot – Membrillo

Die
übrig gebliebenen, festen Bestandteile der Geleeproduktion werden mit
einem Stabmixer püriert und mit der gleichen Menge Zucker etwa drei
Stunden lang auf kleiner Flamme gekocht. Dabei sollte man öfter mal
umrühren, die Masse legt sich leicht am Topfboden an. Sie ist fertig,
wenn sie eine schöne, dunkelrote Farbe angenommen hat.

Nach dem Abkühlen
streicht man sie auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech, etwa
einen Zentimeter hoch. Man erwärmt das Backrohr auf 80 Grad und lässt die Quitte darin etwa zwei bis drei Stunden trocknen. Danach lässt sich die Masse wenden. Ich lasse sie noch einen Tag in der Küche stehen – dann ist sie ausreichend getrocknet. Einen Teil schneide ich in Würferl und überziehe ihn mit Schokolade, der andere Teil wird in größere Stücke geschnitten und in Backpapier verpackt. Hält sich im Kühlschrank (wenn nicht zu oft davon genascht wird) einige Wochen und bereichert jeden Käsegang.

Die Quittenrezepte widme ich Julia, weil sie erstens Quitten gerne mag und weil sie mir zweitens sehr geduldig geholfen hat, wieder auf die Beine zu kommen!

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